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Auf einen Kaffee mit... Andreas Otto

Andreas Otto, Sprecher für Bauen und Berlin-Brandenburg, über Proteste in der DDR, Händeschütteln und Baupolitik

 

Du bist eigentlich Elektriker. Warum hast du diesen Beruf aufgegeben?

Das hat mit 1989 zu tun. In der DDR war im Unterschied zu heute die Anzahl der Abiturienten sehr gering. Zusätzlich war der Zugang zu den höheren Schulen von politischem Wohlverhalten abhängig. Ich habe deshalb eine Ausbildung zum Elektriker gemacht, was mir auch Spaß gemacht und mich mit Menschen aller Schichten zusammen gebracht hat. Später habe ich in Lichtenberg Elektrotechnik studiert. Als ich damit 1988 fertig war, arbeitete ich in einem volkseigenen Betrieb. Nachdem dieser 1991 schließen musste, gab es in Ostberlin mehrere Zehntausend arbeitslose Elektroingenieure. Die Entscheidung, das nicht weiter zu machen, war relativ zwangsläufig. Ich habe dann noch technische Informatik studiert, auch weil unklar war, ob mein erstes Studium nach der Wiedervereinigung überhaupt anerkannt wird.


Warst oder bist du privat am Tüfteln?

Ich war schon gerne Handwerker und bin auch froh über so eine Basisqualifikation. Ich habe in der eigenen Wohnung oder im Haus meiner Mutter ab und zu meine Kenntnisse anwenden können. Jetzt komme ich leider nicht mehr dazu.


Bist du aufgrund der Ereignisse um 1989 Politiker geworden?

Dass ich einmal Abgeordneter werde, habe ich damals nicht gedacht. 1989 waren die ganzen Demonstrationen und die Aktionen gegen die SED. Ich habe bei der Auszählung der Kommunalwahl in Weißensee im Mai 1989 mitgemacht. Eine Gruppe um die Stephanus-Stiftung schickte Leute in jedes Wahllokal, um die Stimmenauszählung zu überprüfen. Da wurde zum ersten Mal nachgewiesen, dass die 99 %, die in der Zeitung standen, falsch waren.


War das die Zeit in der du politisiert wurdest?

Nein, politisch engagiert war ich schon vorher. Aber in dieser Zeit war ja greifbar, dass sich etwas ändern muss. Ich war bei den großen Demonstrationen im September und Oktober 1989 in Berlin dabei. Das war nicht ungefährlich. Man wusste nicht, ob man jetzt verhaftet oder vielleicht sogar erschossen wird. In die Grüne Partei der DDR bin ich Anfang 1990 eingetreten und eher zufällig ins Bezirksparlament in Prenzlauer Berg gekommen. Im dritten Anlauf hat es dann später im Abgeordnetenhaus geklappt. Als erster Ostdeutscher in unserer Partei konnte ich 2006 einen Landtagswahlkreis direkt gewinnen.


Woher kommt dein Ritual, dass du täglich allen Kolleginnen und Kollegen persönlich die Hand schüttelst, wenn du einen Raum betrittst?

Aus dem Osten. Hier haben sich die meisten Leute die Hand gegeben. Ich finde das ist eine persönliche Geste, die Respekt und gegenseitiges Ernstnehmen ausdrückt. Ritual ist ein interessanter Begriff dafür. Ich bin es einfach gewohnt.


Du bist seit über 20 Jahren Grüner. Wie bewertest du die Entwicklung der Partei?

Ich bin vor allem eingetreten, weil ich mich als Umweltschützer verstanden habe. In Ostberlin gab es keinen Smog-Alarm, obwohl die Luft teilweise schlechter war als im Westen. Da habe ich mir schon, als die Mauer noch stand, Gedanken drüber gemacht. Wenn im Westen Smog-Alarm war, bin ich nicht mehr mit dem Motorrad zur Arbeit gefahren, sondern mit dem Bus. Der Kerngedanke Umweltschutz ist durch die breitere Aufstellung der Grünen ein wenig aus dem Blick geraten. Man muss zwar mehr Wähler erreichen, aber ich glaube, dass es für die Partei gut wäre, sich auf diesen Markenkern wieder verstärkt zu konzentrieren. Positiv entwickelt haben sich aber natürlich die Wahlergebnisse.


Was sind deine zentralen Themen für Berlin im Bereich Bauen und Wohnen 2014?

Es ist wichtig, dass wir bei den öffentlichen Bauprojekten die Regierung immer wieder darauf hinweisen, wie viel das alles kosten wird - sei es der Flughafen, die Staatsoper oder die Sanierung des ICC. Durch die Lockerung der Sparpolitik habe ich momentan die Sorge, dass der Koalition die hohen Kosten egal sind. In der Baupolitik ist Kostenkontrolle und bessere Vorbereitung ganz wichtig. Darüber unterhalten wir uns z.B. im BER-Untersuchungsausschuss. Zweitens ist das Wohnungsbauförderprogramm zentral. Wir hoffen, dass es 2014 von der Koalition umgesetzt wird. Bisher kann niemand einen Antrag auf Fördergelder stellen. Darauf müssen wir drängen. Drittens müssen wir besonders aus Berlin Druck auf die Bundesregierung in Bezug auf die Mietpreisbremse ausüben, damit die Mieten nicht weiter ins Uferlose steigen. Außerdem bin ich für die Aktivitäten zu 25 Jahre friedliche Revolution zuständig und wir planen bereits einige Veranstaltungen.


Das Interview führte Marc Siepe.