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5. Februar 2010

Werkstattgespräch: Hochschulverträge brauchen mehr Klarheit

Rerun_van_Pelt@flickr

Die Hochschulverträge 2010 bis 2013 sind unterzeichnet – doch ihr Kernstück, das ab 2012 geltende sogenannte Preismodell, steht immer noch nicht. Eigentlich sollte das Modell bis Ende 2009 feststehen. Doch die Hochschulen haben gemeinsam festgestellt, dass für die sehr unterschiedlichen Modelle der Unis, Fachhochschulen und künstlerischen Hochschulen kein einheitliches Preismodell funktioniert, ohne die eine oder andere Hochschule ihrer Finanzierungsgrundlage zu berauben.

Die Fraktion Bündnis/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus hat das Dilemma vorhergesagt und Senator Zöllners Pläne auch deswegen scharf kritisiert. Ein Werkstattgespräch dazu stieß am 4. Februar 2010 auf sehr gute Resonanz bei VertreterInnen von Hochschulen und Gewerkschaften, Studierenden, ProfessorInnen, akademische MitarbeiterInnen und anderen.

Bis Ende des letzten Jahres haben sich die Hochschulen auf ein Modell zur Ausgestaltung des sogenannten Preismodells verständigen sollen – was bekanntlich nicht gelang, weil die Hochschultypen zu unterschiedlich sind. Die Hochschulen haben dann drei Vorschläge an die Senatsverwaltung gegeben, und die wiederum hat sich nun auch dazu positioniert.

Mit unserem Werkstattgespräch hat die Fraktion der öffentlichen Diskussion einen Anstoß gegeben und unterschiedliche AkteurInnen und Interessierte an einen Tisch gebracht.

Die grundsätzlichen Haltungen zu den Preismodellen sind noch uneinheitlich und reichen von völliger Ablehnung bis hin zur Feststellung, dass es sich immerhin um eine Ansatz handeln könnte. Positiv wurde bemerkt, dass die Hochschulen erstmals tatsächlich einen - wenn auch geringfügigen - realen Aufwuchs erhalten werden: Dies allerdings nach kontinuierlichen Kürzungen seit 1996.

Als problematisch wird gesehen, dass durch ein Preismodell Profilierung erschwert wird,  da der Status quo zum Maßstab erhoben wird. Neue, innovative Studiengänge oder Studienprofile sind deshalb dann ein großes finanzielles Risiko.

Die Bezeichnung als "Leistungsmodell" wird abgelehnt, da sie suggeriert, dass die Hochschulen vorher keine Leistung erbracht hätten. Es gibt aber aktuell schon einen Anteil leistungsbezogener Finanzierung.

Einigkeit herrschte in der Kritik an der absehbaren Ausgestaltung des Modells ab 2012, vor allem in der Festsetzung des ersten Hochschulsemesters als Bemessungsgrundlage.

Deutlich kritisiert wurde ein Aspekt, der bislang wenig debattiert wurde: Da nur noch ein Drittel der Zuweisungen an die Hochschulen als unveränderlicher Sockel vorhanden sein werden, treten Legitimations- und Steuerungsprobleme innerhalb der Hochschulen auf.

Die deutliche Sorge wurde artikuliert, dass insbesondere die Steuerung über Studienplatzzahlen zulasten der Studierenden und des Mittelbaus gehen werde. Hier werde auf Quantität gesetzt, statt auf Qualität, und rein betriebswirtschaftlich gedacht müssten die Hochschulen nun vor allem zusehen, wie sie ihre Kosten für die Studiengänge möglichst gering halten – kleine Seminare, betreuungsaufwändige Lehrveranstaltungsformen etc. sind damit zu teuer. Für fachkulturelle Unterschiede - z.B. der deutlich auf Seminare und Projektarbeit ausgerichtete Ansatz in den Studiengängen des Sozialwesens und der Pflege - ist das System zudem zu grob.

Kritisch wurde hinterfragt, inwiefern ein solches Anreizsystem in der heutigen Wissenschaftslandschaft nicht dazu beitrage, dass immer mehr Arbeit vor allem in das Erfüllen von Vorgaben, das Schreiben von Anträgen usw. gehe.

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