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Verwaltungsreform

16. September 2008

Mobbing aus der Tabuzone holen!

Laut Studien wird jede/jeder neunte Berufstätige in seinem Berufsleben zum Mobbingopfer. Mobbing führt neben den dramatischen Folgen für die Betroffenen zu Krankheiten, Fehlzeiten, Arbeitsausfall und verursacht damit nicht nur menschliche, sondern auch wirtschaftliche Schäden.

Grüner Antrag zu Mobbing

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat deswegen einen Antrag "Partnerschaftlichen Umgang fördern – Mobbing in der Verwaltung bekämpfen" (Drucksache 16/0084) im November 2006 eingebracht. Dieser wurde modifiziert von den rot-roten Regierungsfraktionen übernommen. Immerhin hatte dies zur Folge, dass der Senat mittlerweile am 14 8.2008 den zweiten Zwischenbericht (Drucksache 16/1684) zu dem Thema zur Kenntnis gegeben hat. Demnach soll das Thema "Mobbing" u. a. in einer AG, die ein "Rahmenkonzept Konfliktmanagement" erarbeiten soll, berücksichtigt werden.

Antrag zeigt Wirkung

Wie stark das Thema Mobbing den MitarbeiterInnen auf den Nägeln brennt, wurde uns spätestens klar, nachdem unser Antrag im Hauptstadtmagazin des dbb (Deutscher Beamtenbund) veröffentlicht worden war. Es meldeten sich zahlreiche Betriebsräte und VerwaltungsmitarbeiterInnen aber auch Beschäftigte aus der Privatwirtschaft bei mir. Sie waren entweder selbst betroffen oder versuchten in der eigenen Verwaltung etwas gegen Mobbing zu tun.

Rot-Rot geht halbherzig vor

Für die Antragsberatung haben wir Frau Uesseler-Gothow vom Hauptpersonalrat am 15.2.2007 in den Verwaltungsreformausschuss eingeladen. Sie unterstrich die Brisanz des Themas Mobbing, warnte aber davor, die Thematik isoliert zu betrachten. Sie sollte eingebunden werden in existierende bzw. aufzubauende Beratungsstrukturen zum Gesundheitsmanagement. Sie unterstrich, dass es neben ehrenamtlichem Engagement unbedingt professionelle und damit kostenträchtige Anlaufstellen geben müsse.

Dies war uns auch besonders wichtig, und deswegen forderten wir eine psychosoziale Beratungsstelle, an die sich Mobbingopfer außerhalb ihrer Behörde vertraulich wenden können sollten. Leider ist genau dieser Punkt den Änderungen von Rot-Rot zum Opfer gefallen. So erging es mit allen konkreten Forderungen, z. B. nach einer Rahmenvereinbarung oder behördlichen Anlaufstellen (Anti-Mobbingbeauftragte oder Schlichtungsstellen etc.). Übrig blieben Prüfaufträge, bessere Informationsangebote und die Berücksichtigung des Themas bei der Führungskräfteschulung und -entwicklung.

Gemeinsam gegen Mobbing

Wir sind froh, dass damit das Thema Mobbing ein Stück mehr enttabuisiert wurde. Der Senat hat eine Analyse der vorhandenen Beratungsstellen und Vereinbarungen vorgenommen, die er der Opposition leider bisher vorenthalten hat. Wir ermutigen alle Behörden, Beratungsstrukturen zu installieren und Dienstvereinbarungen zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit und gegen Mobbing abzuschließen! Gute Beispiele finden sich in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf. Auch das AGG bietet hierfür ausreichend rechtliche Begründungen. Denn Mobbing findet täglich statt. Wir sind der Meinung, dass Politik, Vorgesetzte und Beschäftigte im Öffentlichen Dienst ihre gemeinsame Verantwortung aktiv wahrnehmen müssen, solche Fälle, soweit es geht, präventiv zu vermeiden.

 

Zusätzliche Information

MdA Portrait Thomas Birk

Thomas Birk - Sprecher für Verwaltunsmodernisierung

Olaf W. Reimann

Referent für Verwaltungsreform

Tel.: (030) 2325-2403