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Fragwürdige Studie

18. April 2008

Platzt Schönefeld, wenn Tempelhof geschlossen wird?

Stellungnahme zum IHK-Gutachten zu Kapazitätsengpässen in Schönefeld nach Schließung des Flughafens Tempelhof

Fluggäste aller drei Berliner Flughäfen:  

Fluggäste 2006: 18,5 Mio.

Fluggäste 2007: 20 Mio

03/ 2008: 1,7 Mio. (+ 5,2 Prozent im Vergleich zum März des Vorjahres)

Zukunftsprognose – BBI 2011: etwa 22 Mio.

Es ist wahrscheinlich, dass die Zahl der Fluggäste bei der Eröffnung von BBI über den prognostizierten 22 Millionen liegen wird. Nach Angaben der Flughafengesellschaft wird das Midfield-Terminal in der Startversion zunächst rund 22 bis 25 Millionen Passagieren Platz bieten. Es kann demnach sein, dass noch vor oder kurz nach Inbetriebnahme von BBI Terminalmodule hinzugefügt werden müssen. Nach den Planungen kann BBI in einzelnen Modulen schrittweise auf eine Größe für bis zu 40 Mio. Passagiere erweitert werden.

Die Frage der Passagiere ist allerdings nicht die Kernfrage, denn der von den Flughafenbefürwortern mit Ausnahme der ICAT befürwortete Geschäftsflughafen würde nicht die Zahl der Flugpassagiere von BBI, sondern die Zahl der Starts –und Landungen vermindern.

Im Jahr 2007 gab es auf den drei Berliner Flughäfen 253.000 Flugbewegungen. Richtig ist, dass die Zahl der Flugbewegungen damit deutlich höher ist als in den Planungsunterlagen 1996 prognostiziert (234.000) wurde. Steigerungsraten von 4 bis 10 Prozent wie sie die IHK zu Grunde legt, um einen baldigen Kapazitätsengpass von BBI zu konstruieren, entbehren allerdings jeder Sachkenntnis. Denn mindestens die Hälfte der 20.000 Starts- und Landungen in Tempelhof im sog. Buisiness-Aviation-Bereich (Berechnung der Windrose Air) im Jahr 2007 sind Flugbewegungen von Flugschulen, touristischen Rundflügen und reinen Hobbyfliegern.

Diese werden – aus Sicherheitsgründen erfreulicherweise – komplett entfallen, weil sie vom neuen Flughafen nicht mehr starten dürfen. Die Flughafengesellschaft führt den starken Anstieg in den Jahren von 2004 bis 2006 (den das IHK-Gutachten bis zum Jahr 2015 hochrechnet) vor allem auf dieses bald entfallende Segment des Flugverkehrs zurück, das die letzten Tage von Tempelhof noch einmal intensiv nützt.

Die Steigerung der Flugbewegungen in den Jahren 2000 – 2007 entspricht mit gut einem Prozent genau den Prognosen der Flughafengesellschaft für die nächsten 20 Jahre sowie der Steigerung der Flugbewegungen von 2006- 2007. Die Prognose ist auch deshalb plausibel, weil die Steigerung der Fluggastzahlen nicht von einer Steigerung der Flugbewegungen abhängig ist. So wurden im Jahr 2007 8,5 Prozent mehr Fluggäste als 2006 transportiert, die Zahl der Flugbewegungen stieg aber nur um 1 Prozent. Im März gab es mit 20.079 Starts- und Landungen sogar ein Minus von 6,5 Prozent im Vergleich zu den bei den Flugbewegungen im Vorjahr!.

Laut Flughafengesellschaft ist dies ein internationaler Trend, der durch die Abfragen zu den Zukunftsplänen der Fluggesellschaften bestätigt wird: Viele Fluggesellschaften planen nicht mit deutlich mehr Flugbewegungen, sondern den Einsatz größerer Flugzeuge.

Auch angesichts dramatisch steigender Ölpreise, der Diskussion um die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung für Auslandsflüge, einer Kerosinsteuer und vor allem der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel ist es daher absolut unrealistisch, dass sich die Zahl der Flugbewegungen über die im Planfeststellungsbeschluss von BBI enthaltene Kapazitätsgrenze von 360.000 hinaus entwickelt.

Zudem gilt als absolute Obergrenze eines Zweibahnsystems maximal 480.000 Flugbewegungen im Jahr – auch wenn in München mit inzwischen 411.000 Starts- und Landungen der Bau einer dritten Start- und Landebahn angestrebt wird.

Fazit: Der IHk geht es nicht um eine seriöse Schätzung der Entwicklung des Berliner Flugverkehrs. Sondern um die Verunsicherung der Abstimmungsberechtigten vor dem Volksentscheid. Dafür scheint jedes Mitel recht.

 

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