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Immer mehr Kameras verfolgen die Berlinerinnen und Berliner auf Schritt und Tritt. Tausende Kameras hängen bereits in U-Bahnhöfen, U-Bahnen, Bussen und Tram-Wagen der Berliner Verkehrsbetriebe. BVG und Senat wollen ihre Zahl noch erheblich steigern. Doch bringt mehr Videoüberwachung auch mehr Sicherheit? Das weiß der Senat nicht und will es offensichtlich auch gar nicht wissen. Eine wissenschaftliche Evaluation der Maßnahmen ist weder erfolgt noch geplant.
Die Antworten des Senats auf zwei Kleine Anfragen des innenpolitischen Sprechers der grünen Abgeordnetenhausfraktion, Benedikt Lux, sind ernüchternd. Die spärlichen Zahlen, die der Senat vorweisen kann, zeigen: Videoüberwachung ist keine Wunderwaffe gegen Kriminalität.
Ende 2007 hatte das Abgeordnetenhaus mit äußerst knapper Mehrheit (74 Ja-Stimmen, 73 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen) die Videoüberwachung im Öffentlichen Personenverkehr gesetzlich verankert. Um bürgerrechtlichen Bedenken in den eigenen Reihen entgegenzukommen, hatte Rot-Rot in letzter Minute noch eine Evaluationsklausel aufgenommen. Danach sollte bis zum 31. Januar 2010 der Erfolg der Maßnahmen überprüft werden.
Der nun vorgelegte Bericht des Senats spricht den damaligen Beteuerungen aus der Koalition Hohn, die Evaluation ernst zu nehmen. In ganzen drei Sätzen geht das 7-seitige Papier auf Videoaufzeichnungen der BVG ein. Zudem gibt es ein paar nebulöse Angaben zur Nutzung der BVG-Überwachungstechnik zur Terrorismusbekämpfung. Offenbar hat sich im Herbst 2009 ein Polizist in die Leitstelle der BVG gesetzt und durch die Videokanäle gezappt. Anlass war eine "erhöhte abstrakte Gefährdungslage". Warum die Polizei meinte, auf diese Weise Terroristen aufspüren zu können, bleibt im Dunklen. Zum Ergebnis heißt es nur: "Es ergab sich ein unauffälliges Bild der Lage". Trotzdem sei das irgendwie "hilfreich" für die Lagebeurteilung gewesen. Erfolgversprechende Maßnahmen gegen Terrorismus sehen anders aus – und ernst zu nehmende Evaluationen auch.
Sicherheit im Öffentlichen Personennahverkehr soll nicht nur vorgegaukelt werden. Darum brauchen wir aussagekräftige Informationen, was die Videoüberwachung überhaupt bringt. Seriöse Studien untersuchen die Kriminalitätsbelastung vor und nach der Installation von Kameras, überprüfen Verdrängungseffekte, benennen klare Kriterien und Erfolgsfaktoren. Dazu sind BVG, Polizei und Senat offensichtlich nicht in der Lage. Darum fordern Bündnis 90/Die Grünen, die Videoüberwachung endlich von unabhängigen Fachleuten untersuchen zu lassen. Dann ließe sich fundiert beurteilen, ob das tägliche Abfilmen aller BVG-NutzerInnen angemessen ist und ihnen tatsächlich mehr Sicherheit bietet. Millionenausgaben für nutzloses technisches Spielzeug kann sich Berlin nicht leisten. Das Geld wäre besser angelegt in Personal, das bei Gefahr tatsächlich zur Stelle ist und etwas tun kann.
