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1. Was ist Diversity Management ?
2. Was hat Diversity Management mit Politik zu tun ?
3. Wo liegen die Schwierigkeiten ?
4. Was können Lösungen für diese Probleme sein ?
6. Und was heißt das für das Leben im Berliner Alltag ?
Übersetzt bedeutet der Begriff "Vielfaltsmanagement". Ursprünglich ist es ein Konzept aus der Unternehmensführung. Dahinter steckt die Idee von großen internationalen Konzernen, das Potential der verschiedenen MitarbeiterInnen optimal zu nutzen und auf diese Weise den Umsatz zu steigern. Dabei wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch etwas Besonderes in seine Arbeit einbringen kann, was gerade auf internationaler Ebene wichtig ist. MitarbeiterInnen, die sich nicht als "seltsame Andere" empfinden, gehen, so der Diversity-Ansatz, auch lieber zur Arbeit, werden seltener krank und identifizieren sich mit ihrem Unternehmen.
Das Konzept kann dazu beitragen, verschiedene Arten von Diskriminierungen abzubauen und auf diese Weise zu einem besseren Gesellschaftsklima beitragen.
Gerade Länder mit einem starken Einwanderungshintergrund wie die USA oder ehemalige Kolonialmächte wie Großbritannien bemühen sich darum, dass die gesellschaftliche Realität sich auch in der Politik und den Medien widerspiegelt. So haben Fernsehsender wie BBC und CNN selbstverständlich auch ModeratorInnen mit Migrationshintergrund. Und wo sonst ist es denkbar, dass eine Afroamerikanerin Außenministerin und oder ein Mann mit afrikanischen Wurzeln wie Barack Obama Präsident wird?
In einer Demokratie wird das Volk durch seine Abgeordneten im Parlament vertreten. Dieses repräsentative Ideal wird jedoch geschwächt, wenn die Gesamtheit der Abgeordneten die Gesellschaft in ihrer sozialen und beruflichen Vielfalt nicht abbildet. Das führt zu mangelnder Identifikation, Repräsentation und schwächerem Vertrauen, da die WählerInnen sich nicht adäquat vertreten fühlen. Politikverdrossenheit, niedrige Wahlbeteiligungen und gefühlte Diskriminierung sind die Folge.
Diversity Management ist als Ansatz sehr komplex und kann, falsch ausgeführt, schnell das Gegenteil bewirken. Hier die häufigsten Kardinalfehler und ihre Lösungen:
a) Positive Diskriminierung
Wenn man Menschen in Schubladen steckt, um ihre Besonderheiten zu fördern, geschieht dies immer noch vor dem Hintergrund einer angenommenen "Mehrheit". So läuft man Gefahr, dass das Projekt wieder auf Assimilation und Eingliederung abzielt. Dies geschieht vor allem dann, wenn Führungskräfte/PolitikerInnen etc. selbst nicht Minderheiten angehören. Außerdem unterstellt man einer Minderheit gerne Besonderheiten unter, die oft auf Stereotypen basieren. Beispielsweise handelt es sich um eine positive Diskriminierung, wenn man einem Italiener bei der Einstellung unterstellt, dass er "mit der südländischen Leidenschaft etwas Schwung in den Laden bringt."
b) Konzentration auf zahlenmäßige Repräsentation
Man darf nicht glauben, dass lediglich Quotierungen ausreichen, um Vielfalt zu erreichen. Natürlich kann man ausrechnen, wie viel Prozent der Bevölkerung, welcher Minderheit angehören und dann versuchen, das Verhältnis auf ein Unternehmen, die LehrerInnen einer Schule, Beschäftigten im Öffentlichen Dienst und FernsehmoderatorInnen zu übertragen. Das reicht aber nicht! Denn so geschieht es schnell, dass man sich als "Quotenfrau, -behinderter, -muslim" geduldet fühlt. Quoten reichen nicht aus, um einen wirklichen Wertewandel durchzuführen.
c) Stigmatisierung
Vielfalt setzt natürlich voraus, dass man definiert, was diese ist. Unterschieden wird zwischen äußerlich wahrnehmbaren Unterschieden (Geschlecht, Alter, Ethnie, Behinderung) und subjektiven Unterschieden (soziale Herkunft, sexuelle Orientierung, Religionszugehörigkeit, Lebensstile). Es kann passieren, dass eine Person einer Kategorie zugeordnet wird, welche für die betroffene keine wirkliche Rolle spielt oder in welche sie sich selbst nicht einordnet. Als Beispiel kann hier eine Studentin angeführt werden, die als Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers in Berlin geboren wurde und sich als Kreuzbergerin empfindet. Wenn man sie nun in einer Behörde als unterdrückte Migrantin kategorisiert und entsprechend behandelt, kann das wiederum zu einer Diskriminierung führen.
Klar formulierte Ziele, Methoden, ständige Evaluation und Richtlinien, die vor allem die Qualität von Vielfältigkeit und nicht die Quantität betonen, soll deutlich machen, dass jeder in der Minderheit ist und sich selbst auch eine eigene Schublade aussuchen kann, in der er/sie sich zugehörig fühlt.
Die richtige Nutzung von Diversity wirkt sich positiv auf die Wirtschaftsentwicklung aus, da Minderheiten verstärkt wahrgenommen, gefördert und eingestellt werden. Das gilt für Frauen und Behinderte genauso wie für ethnische Minderheiten und ältere Generationen. Dies ist gerade angesichts der demographischen Entwicklungen unabdingbar. Unternehmen, Menschen und die Stadt werden kreativer und innovativer. Gleichzeitig werden Diskriminierungen abgebaut und ein angenehmes soziales Klima geschaffen, da sich die BewohnerInnen mit der Stadt besser identifizieren. Dies vereinfacht die soziale Integration.
Heißt das, jedeR darf machen was er oder sie will, auch wenn es für andere eklig, unmoralisch oder unnormal erscheint? Nein, selbstverständlich nicht. Verhalten, Bräuche und Traditionen, welche gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung verstoßen, wie sie in der Verfassung stehen, sind von dem Ansatz ausgeschlossen.
Eines sollte allerdings auch klar sein: Vor einigen Jahren noch wären Hausmänner und langhaarige Männer, ein schwuler Bürgermeister und der CSD, das Leben in generationen- und geschlechterübergreifenden Wohngemeinschaften, gesellschaftsfähige Piercings und Tätowierungen, geschiedene allein erziehende Mütter und Frauenquoten undenkbar gewesen. Ihnen wurde unterstellt, Sitte und Anstand zu brechen, sie galten als Zeichen des moralischen Niedergangs der Gesellschaft. Zeiten und Gesellschaften ändern sich und was heute noch Anstoß erregend ist, kann morgen Mainstream und damit völlig normal sein.
Leitend kann daher nur der Artikel 1 des Grundgesetzes sein: "Die Würde des Menschen ist unantastbar"!