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"Industrie, aber wie?" unter diesem Motto stand der Auftakt der Reihe auswärtiger Fraktionssitzungen "Zwölf Bezirke, Zwölf Ideen". Mit dem Wasserstoffbus der BVG machte sich die Fraktion auf den Weg nach Treptow-Köpenick, dem flächenmäßig größten Bezirk in Berlin.
Der Wissenschafts- und Technologiepark ist mit dem Ortsteil Adlershof seit Anfang der 1990er Jahre eng verbunden. Zu DDR-Zeiten war in Adlershof neben dem Staatsfernsehen der DDR und der Akademie der Wissenschaften auch das unrühmliche Stasi-Wachregiment Feliks Dzierzynski angesiedelt. Nach der Wende entschied der Berliner Senat, auf dem Areal einen Wissenschafts- und Technologiepark zu gründen. Durch die Vernetzung der ansässigen Forschungseinrichtungen mit den neu angesiedelten Unternehmen erwartete sich Berlin wirtschaftliche Wachstumsimpulse. Nicht wenige Wissenschaftler der Akademie wagten den Sprung in die Selbständigkeit.
Das besondere Augenmerk der grünen Abgeordneten galt den Auswirkungen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise auf Adlershof. Was für die gesamte Volkswirtschaft gilt, das gilt auch hier: Genaue Prognosen sind schwierig. Noch ist die Krise hier nicht angekommen. Es gibt keine Insolvenzen zu verzeichnen, und auch die Mietausfälle sind noch nicht angestiegen. Für die nähere Zukunft zeichnen die ansässigen Medienunternehmen ein deutlich düstereres Bild als die Technologiebetriebe. Als günstig erweist sich, dass die meisten der Adlershofer Unternehmen keine Börsennotierung haben. Aber auch an den Adlershofer Auftragsbüchern wird der Abschwung bei Investitionsgütern wohl kaum vorbei gehen, insbesondere dort, wo ansässige Firmen als Zulieferer für größere Konzerne arbeiten.
Adlershof ist mittlerweile ein spürbarer Faktor für den Wirtschaftsstandort Berlin geworden. Noch dazu wird hier in Zukunftsbranchen gearbeitet und geforscht. Umso erstaunlicher ist es, dass der Berliner Senat so wenig daraus macht. Ein geplantes Photovoltaikzentrum bleibt in den rot-roten Bürokratiemühlen stecken, von einem Ökologiekompetenzzentrum, das die Grünen seit Jahren fordern und für das sich Adlershof als Standort anbieten könnte, ganz zu schweigen.
Im Gespräch mit der Geschäftsführung der Entwicklungs- und Betreibergesellschaft WISTA wurde deutlich: Adlershof setzt auf eine Zukunft im arbeitsplatzintensiven verarbeitenden Gewerbe. Der Leiter des Bereiches Kommunikation, Dr. Peter Strunk, spitzte es zu: "Es handelt sich hier um den wirtschaftlich ernsthaften Versuch, wieder Industrie in Berlin aufzubauen, und zwar in den neuen Technologien."
Die Berliner Industriepolitik stand im Mittelpunkt der Diskussion, die die Fraktion mit dem Vizepräsidenten der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Prof. Dr. Klaus Semlinger, führte. Semlinger betonte, das alte Gegensatzpaar von Industrie und Dienstleistungen sei überholt. Moderne Industrie ist demnach weit entfernt von den qualmenden Schloten der Vergangenheit und sehr viel stärker von Wissensanreicherung in der Produktion geprägt. Forschung, Planung, Standardisierung und Rationalisierung sind wesentliche Bestandteile moderner Industrie. Die Wirtschaftsforschung nimmt zudem verstärkt die Rahmenbedingungen von industrieller Produktion mit in den Fokus – die berühmten weichen Standortfaktoren sind in aller Munde. Und hier liegen die Chancen für Berlin. Die Verknüpfung von Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft macht unsere Stadt auch für Unternehmensansiedlungen attraktiv und unverwechselbar.
Zweifellos, so Semlinger, habe Berlin auch im Bereich der Dienstleistungen Nachholbedarf. Der Anteil von Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt liege in Städten wie München, Hamburg und Frankfurt deutlich höher als bei uns. Zudem sei die durchschnittliche Produktivität im verarbeitenden Gewerbe in Berlin erheblich besser als im Dienstleistungsbereich.
Dennoch gilt es, in Berlin mit der Förderung eigener Stärken auch neue, zukunftsorientierte Industrieansiedlungen zu forcieren. Wichtig aus grüner Sicht ist dabei, durch verstärkte Anstrengungen im Bereich der Qualifizierung mehr Menschen den Einstieg in eine wissensbasierte "clean industry" zu ebnen. Untersuchungen zeigen, so wiederum der Industrieexperte, dass auch moderne Industrie weiterhin Jobchancen für Geringqualifizierte eröffne.
Heute, knapp 20 Jahre nach der Gründung, ziehen die Grünen eine gemischte, aber optimistische Bilanz des Großprojektes. Entwicklungsgebiete haben sich oft als Fehlinvestitionen für den Berliner Landeshaushalt erwiesen und so die Verschuldungskrise verschärft. Auch in Adlershof musste von den ursprünglichen Wachstumsträumen im Laufe der Jahre Abstand genommen werden. Erfreulicherweise übersteigen jedoch mittlerweile die privaten Investitionen die öffentlichen Subventionen, der Standort blickt insgesamt auf ein stabiles Wachstum zurück. Zusätzliche Impulse erhofft sich die hiesige Entwicklungsgesellschaft WISTA durch den nahegelegenen Flughafen Schönefeld. Die vermeintliche Randlage kann sich nun – auch dank der Schließung von Tempelhof – als Vorteil erweisen. Größte Erfolge der Vergangenheit sind sicher die beiden Solarfirmen Solon und Sulfurcell, die sich mit ihrer Produktion vor Ort angesiedelt haben.
Die ganz großen Ansiedlungserfolge blieben jedoch aus. Hier bewegt sich Adlershof international auf einem hart umkämpften Markt. So ließen sich 2006 europaweit nur 70 große Ansiedlungen verzeichnen, im Wettstreit um Unternehmen wie Inventux und Nanosolar hatte Adlershof das Nachsehen. Eine Ursache hierfür sieht der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, Hardy Schmitz, darin, dass große, wachstumsstarke Firmen vor allem durch fertige Produktionshallen anzulocken sind. Diese können in Adlershof nicht vorgehalten werden. Der Wachstum des Standortes gründet deshalb auf kleinen und mittelständischen Unternehmen und Existenzgründungen, die sich in einem der Technologiezentren niederlassen.
Der Wissenschafts- und Technologiepark in Adlershof ist der Versuch, Hochtechnologieprojekte konzentriert an einem Standort anzusiedeln. Auf 4,2 Quadratkilometern entsteht seit 1991 ein integrierter Stadtteil für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien, Arbeitsort für über 13.500 Menschen.
Die WISTA-MANAGEMENT GMBH ist die Entwicklungs- und Betreibergesellschaft des Wissenschafts- und Technologieparks Adlershof.