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Bücher waren für die SED ein willkommenes Mittel, die Bevölkerung zu erreichen und die Vorzüge des Kommunismus zu preisen. Doch in den 70er Jahren wurde Literatur immer stärker ein Medium, um gesellschaftliche Widersprüche zwischen den Zeilen zu thematisieren. Einige SchriftstellerInnen agierten zwischen Anpassung und subtilem Widerspruch. Manche verinnerlichten den sozialistischen Realismus als Lebensaufgabe. Andere Autoren wurden mundtot gemacht, weil sie sich mit ihren Texten gegen die Fesseln der Staatsdoktrin wandten. Verbotene Literatur – aus dem Untergrund oder illegal aus dem Westen importiert – kursierte informell. Warum wurde welches Buch in der DDR verboten oder gedruckt ? Wie wurden Auflagen bestimmt und Bücher vertrieben? Zum literarischen Nachlass der DDR gehören die verbotenen Werke und die Staatsliteratur gleichermaßen. Aber was bedeutet diese Erbschaft heute?
Die TeilnehmerInnen des Podiums fanden auf diese Fragen zum Leseland DDR folgende Antworten:
Die Frage, ob "Literatur als Kampfmittel" Theorie oder Realität in der DDR gewesen ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Schließlich redet man über 40 Jahre DDR-Regime, in denen es kulturpolitische Zäsuren und Strategiewechsel gegeben hat. Generell gilt: Die Kulturpolitik der DDR war kunstfeindlich. Offiziell gab es keine Zensur, faktisch schon. Die Führung der DDR betrachtete ganz in der Tradition von Stalin und Chruschtschow KünstlerInnen als aktive Kämpfer für den Sozialismus. Der realistische Sozialismus war genreübergreifend die einzig legitime Form. Und man war gewillt, diese offen formulierten Anforderungen an Literaten auch mit Gewalt durchzusetzen. Trotzdem war die offizielle Literaturpolitik das eine, die literarische Praxis das andere. Die Literaturszene im Prenzlauer Berg etwa war erstaunlich autonom und im Aufbau-Verlag erschienen bemerkenswerte Titel. Die Ausbürgerung Biermanns 1976 führet zu einer historisch einmaligen Solidaritätsbewegung und einem Exodus der Ost-Literaten.
Sicher ist: Die DDR ist Vergangenheit, aber in ihrer Literatur ist die Erinnerung an Staat und Gesellschaftssystem bewahrt.
In der DDR gab es niederträchtige Zensur ebenso wie großartige literarische Leistungen. Die SchriftstellerInnen und VerlegerInnen haben sich um die kulturpolitischen Vorgaben kaum geschert, sie haben geschrieben. Es gab gut ausgestattete staatliche Lyrikförderung und mutige subkulturelle Buchreihen, etwa im Aufbau-Verlag. Wünschenswert wäre eine gemeinsame Aufarbeitung von ost- und westdeutscher Literaturgeschichte. Schwarze Listen hat es auch in der jungen BRD gegeben, so wurden etwa die zurückkehrenden Exilliteraten nicht veröffentlicht.
Der literarische Betrieb der DDR ist einer der verwahrlosesten geistigen Räume der letzten 20 Jahre. Die Auseinandersetzung mit dem Literaturraum DDR geht gerade erst richtig los. Von Beginn der DDR an bis zu ihrem letzten Tag wurden SchriftstellerInnen und VerlegerInnen verfolgt, verhaftet und eingesperrt. Im Laufe der Zeit gab es einen Wechsel von offensiver zu stiller Repression. Es wurden nicht die AutorInnen mit großem Namen, sondern eher die jungen, unbekannten LiteratInnen bespitzelt und verfolgt. Aber auch Christa Wolff stand als wichtige Stimme der DDR unter Dauerbeobachtung.
Die SchriftstellerInnen in der DDR wussten zu jeder Zeit um die politischen Tabus. Die Zensur fand höchst effektiv im Kopf statt, gewisse Dinge fasste man gar nicht erst an. So wäre beispielsweise die literarische Thematisierung der Frage, wie man ins Politbüro kommt ebenso wie die Erwähnung der Mauer undenkbar gewesen. Viele kritische Facetten der DDR fanden so in der Literatur nicht statt, sie wurden bewusst weggelassen. Von dieser Selbstzensur ist keinE DDR-AutorIn verschont geblieben. Seit 1990 gibt es keine neue marxistisch-leninistische Literatur mehr, diese Tatsache spricht für sich selbst.
Gelesen wurde in der DDR nicht mehr oder weniger als in der BRD. Die mangelnde Vielfalt führte aber dazu, dass ein neues Buch, etwa von Strittmatter, garantiert zu einem abendfüllenden Gespräch wurde.

Die Tabus in der DDR wurden nicht von allen SchriftstellerInnen übernommen, sondern führten bei vielen auch erst recht zur Politisierung. Wir schrieben gegen Zwänge und alles, was uns nicht passte, an. Diesen Stoff zu veröffentlichen war natürlich utopisch. Mein erstes Buch erschien erst 1980, da war die strikte und offensive Zensur der früheren Jahre bereist aufgeweicht. Vor allem AutorInnen aus Ost-Berlin hatten die Möglichkeit, im Westen zu veröffentlichen und so internen Druck aufzubauen.
Die DDR war vor allem ein Buch-Leseland, weil es in den klassischen Massenmedien Presse und Fernsehen keine freie Meinungsäußerung gab.
