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Die überzeugte Großstädterin ist seit mehr als 25 Jahren bei den Grünen. Die Volks- und Betriebswirtin war Leiterin des Umweltamtes in Steglitz und ist seit 2001 Mitglied der grünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie ist Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz und wurde im Oktober 2009 zur stellvertretende Fraktionsvorsitzenden gewählt. Umweltfragen sind ihr gerade in der Großstadt wichtig.
Als Ausschussvorsitzende warst Du beim Klimagipfel in Kopenhagen. Was tust Du für Deine persönliche Klimabilanz?
Nach Kopenhagen fahre ich natürlich bequem mit dem Zug, Urlaub mache ich gerne an der Ostsee und nicht am anderen Ende der Welt. Ich habe kein Auto und stelle immer wieder fest: ich brauche auch keins. Ich wohne zentral in Prenzlauer Berg und benutze Tram, U- und S-Bahn. Jede Mobilität bedeutet CO2-Ausstoß und man muss jeweils für sich nach der optimalen Lösung suchen.
Ich ernähre mich bewusst und gerne überwiegend vegetarisch und damit auch klimafreundlich. Wenn ich Kleidung kaufe, wähle ich langlebiges hochwertiges Material, fast immer "Lieblingsstücke", die ich lange tragen kann. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, das kann ich gerade in meiner Wohngegend beobachten. Immer mehr Läden entstehen, die gute und zudem preislich günstige Bio-Lebensmittel anbieten. Ich find's auch gut, dass immer mehr große Märkte Biomarken führen.
Ich meine, es geht im alltäglichen Klimaschutz nicht darum, nichts mehr zu kaufen und sich nicht mehr fortzubewegen. Ich möchte mich auch gut kleiden und gut essen. Aber bei unseren Kaufentscheidungen und Mobilitätsverhalten sollten wir auch die Folgen für die Umwelt und für uns im Blick behalten.
Welche Projekte hast Du gerade im Abgeordnetenhaus?
Im Dezember war es natürlich vor allem der Klimagipfel in Kopenhagen. Ein Dauerbrenner im Wortsinne ist mein Kampf gegen die Heizpilze vor Berliner Kneipen. Den größten Irrsinn muss man auch mal benennen: Die Dinger beheizen die Stadtluft, verheizen gleichzeitig viel Geld und wertvolle Naturressourcen, nur damit der Kaffee im Winter draußen getrunken werden kann!
Abfallpolitik beschäftigt mich seit Jahren, aktuell die Biotonne: Mit den Gemüse- und Obstresten kann jeder dazu beitragen, Erneuerbare Energien zu erzeugen!
Außerdem bin ich Sprecherin der grünen Fraktion für die Sportpolitik. Ich setze mich insbesondere dafür ein, dass Sporthallen und -plätze auch allen BerlinerInnen zur Verfügung stehen, die Sport nicht im Verein, sondern selbst organisiert machen wollen. In der Sportpolitik gibt es auch eine gute Zusammenarbeit der drei Oppositionsparteien. Im letzten Jahr haben wir gemeinsam eine sehr erfolgreiche Veranstaltung zum Breitensport durchgeführt - ein Feld, das der Senat seit Jahren stark vernachlässigt. Für den 25. Januar 2010 ist eine Nachfolgeveranstaltung geplant, Thema wird Sport und Bewegung an der Ganztagsschule sein.
Was magst Du am liebsten an Deiner Arbeit als Abgeordnete?
Ich finde, es ist ein großes Privileg, dass ich (Umwelt-)Themen selbst setzen und politisch verfolgen kann, die mir zugleich ein Herzensanliegen sind. Zudem habe ich als Abgeordnete einen leichten Zugang zu den Menschen in Organisationen, Unternehmen und Initiativen, die diese Themen auch bewegen.
Gibt es auch etwas, was Du nicht so gern magst am Politikerleben?
Ach, das Bild von Politikern in der Öffentlichkeit könnte manchmal besser sein. Ich habe in meinem Umfeld so viele politisch sehr engagierte Menschen, die ein gutes Ansehen verdienen.
Was machst Du, um von der Politik zu entspannen?
Ausgedehnte Spaziergänge durch die Stadt entspannen mich wunderbar. Mit meinen drei Enkelkindern fahre ich jedes Jahr nach Warnemünde an die Ostsee - praktischerweise gibt es dahin einen durchgehenden Zug von Berlin! Einmal im Monat setze ich mich mit anderen Funktionären ins gleiche Boot. Dieses Angebot des Berliner Landesruderverbands – sich gemeinsam aktiv und gleichzeitig ruhig auf den Flüssen und Seen in Berlin zu bewegen genieße ich sehr!
Hast Du einen Lieblingsort in Berlin?
Inn Berlin habe ich viele Lieblingsplätze. Natürlich liebe ich alle Wege am Wasser – besonders gern den Weg entlang der Spree vom Reichstag zur Friedrichstraße. Wiederentdeckt habe ich im Sommer den Naturpark Südgelände, den man gut mit der S-Bahn Priesterweg erreichen kann.
Wenn es nach Dir ginge – wie ist Berlin in 10 Jahren?
Ich mach's mal plakativ: Bessere Luft und weniger Lärm auch an Neuköllns Hauptverkehrsstraßen! Und: Fußwege an allen Berliner Seen und Flüssen, um die bessere Wasserqualität zu genießen, weil die EU-Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt ist. Berlin könnte komplett mit erneuerbaren Energien versorgt sein und im Sinne von Kopenhagen Co2-neutral – darüber können sich dann auch meine Enkelkinder freuen.
Und hast Du einen Wunsch für Dich in 10 Jahren?
Persönlich plane ich nicht in den langen Zeiträumen, sondern genieße lieber den Tag. Aber endlich besser Englisch sprechen können, wäre ein Langfristprojekt für mich. Ein guter Anlass ist die Kopenhagen-Konferenz. Mich tröstet, dass der Außenminister auch nicht besser Englisch kann. Mein Tipp: Twitter: Westerwave, the new germany outside minister. No one can reach him the water!
Die Fragen stellte Silke Schendel.