Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus - Berlin

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Clara Herrmann

AbgeordneteR des Monats

Clara Herrmann, 24, ist eine richtige "Berliner Pflanze". Die ehemalige Sprecherin der Grünen Jugend Berlin kämpf seit 2006 als Abgeordnete gegen Rechtsextremismus in Berlin und für mehr Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen.  

 

10 Fragen an Clara Herrmann:

 

1. Clara, wie bist Du 2002 mit 17 Jahren zu den Grünen gekommen?

Clara Herrmann bei einer grünen Aktion gegen die A100Bei einem parlamentarischen Planspiel in der Schule habe ich zum ersten Mal ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, mitentscheiden zu können, etwas zu bewegen. Ich war so begeistert, dass ich wenige Tage später zur Grünen Jugend, damals noch in der Oranienstraße, gegangen bin. Ich finde, dass bei den Grünen der Nachhaltigkeitsgedanke in allen Politikfeldern, von Umwelt bis Soziales, am umfassendsten vertreten ist.

2002 war ich dann in den Bundestagswahlkampf mit eingebunden. Später war ich für knapp ein Jahr Mitarbeiterin bei Sibyll Klotz im Berliner Abgeordnetenhaus. Von ihr habe ich gelernt, immer gut vorbereitet zu sein. Mich hat ihr Politikstil beeindruckt: Augen auf und durch! Vorher war ich Mentee bei Claudia Hämmerling, von ihr habe ich gelernt, dass man zäh sein muss, um etwas durchzusetzen, und außerdem: Verrückte Aktionen helfen! Mit ihr habe ich eine Fashion-Show gegen Pelzmode im Abgeordnetenhaus organisiert. Das war sehr cool, das ganze Haus voller Leute, die Mode, Musik, die Models – eine richtig glamouröse Aktion mit politischen Inhalten...!

2. Was sind zurzeit Deine politischen Projekte?

Clara Herrmann sprüht den FernsehturmIch habe zurzeit drei große politische Themen. Zum einen kämpfe ich gegen die Rechtsextremen, wie beispielsweise gegen den neuen Naziladen in Friedrichshain unter anderem war ich mit bei der Kiezparade im Boxhagener Kiez Ende März. Ich möchte aber nicht nur, dass die AnwohnerInnen demonstrieren, sondern auch Gewerbetreibende und KneipenbesitzerInnen für Aktionen gegen rechte Kundschaft gewinnen, wie zur Aktion "Servicewüste für Nazis". Mir ist vor allem wichtig, dass sich zivilgesellschaftliche Kräfte gegen die Rechten stellen. Mein zweites Projekt betrifft die Bildungsstrukturen: ich setze mich für eine bessere Verzahnung von Schulen und Jugendhilfe ein. Drittens bin ich beim Widerstand gegen die A100 aktiv – auch da ist es ganz wichtig, dass die BürgerInnen selber etwas tun und, wie in diesem Fall, Einwendungen an den Senat schreiben!

3. Was macht Deinen Stadtteil Friedrichshain aus – und was sind die Herausforderungen?

Friedrichshain ist einfach ein Stadtteil zum Wohlfühlen – hier wohnen Leute mit vielen verschiedenen Hintergründen und Lebensentwürfen und eine gute Mischung aus Alten und Jüngeren, Alteingesessenen und Zugezogenen. Faszinierend ist außerdem die Geschichte des Stadtteils, das erfährt man besonders gut bei einer Kiezführung über die DDR-Prachtstraße Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee.

Problematisch finde ich, dass es, wie die Studie von Reach Out belegt, viele rechte Straftaten in Friedrichshain gibt. Die Rechten wohnen gar nicht unbedingt im Stadtteil, kommen aber in angestammte Kneipen und Läden, wie in den Tromsö-Laden. Zum Glück gibt es auch viel Protest, zum Beispiel die Demos gegen den neuen Thor-Steinar-Laden und die Kiezparade. Ein weiteres Problem ist der Trend der Gentrifizierung, besonders im Boxhagener- und Samariterkiez. Ich engagiere mich zusammen mit den Grünen aus dem Bezirk für eine Mietsteigerungsbegrenzung bei Neuvermietungen. Ich möchte, dass Friedrichshain bezahlbar und damit auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel auch bewohnbar bleibt.

4. Mit was entspannst Du nach einer politischen Woche?

Am Wochenende bin ich gerne im Boxhagener Kiez, gehe spazieren, treffe mich in den Cafés, stöbere in den Buchläden... Ich bin in einem Literaturkreis, alle zwei Monate treffen wir uns, reden über ein Buch, das alle gelesen haben, bei Wein, Bio-Essen und diskutieren. Unsere letzte Runde ging über Schillers "Kabale und Liebe". Wir sind ein reiner Frauenkreis aus allen Altersklassen, da lernt man in der Diskussion viel voneinander.. (lacht) Zum Abschluss haben wir das Stück dann in der Schaubühne gesehen – eine sehr empfehlenswerte Inszenierung!

5. Du bist seit 2005 MdA, was ist für Dich das beste am Abgeordnetenleben?

Clara Herrmann mit Schülerinnen der OSZ Medien, Schulleiter Pit Rulff und MitarbeiterinIch finde es spannend, dass ich so viele engagierte Leute kennenlerne, die in Initiativen, Projekten und Aktionen für Jugendliche oder gegen Rechts aktiv sind.

... und was nervt Dich manchmal?

Dass ich mit Studium und Abgeordnetenmandat zwei sehr leseintensive Tätigkeiten habe. Leider kann ich keinen Teamsport mehr machen, eine Fußballmannschaft hätte in mir keine verlässliche Spielerin, weil ich natürlich viele Abendtermine habe.

  1. Was ist Dein Lieblingsort in Berlin?

Ich bin eine richtige Berliner Pflanze, das habe ich wieder gemerkt, als ich von der Ausschussreise aus Birmingham wiedergekommen bin. Wenn ich das Rattern der Berliner S-Bahn höre, fühle ich mich sehr heimisch... Mein Lieblingsort ist der Volkspark Friedrichshain. Ich bin gerne da, es ist einfach ein Park für alle, Alte, Junge, Familien, SkaterInnen, JoggerInnen...

  1. Dieses Jahr steht Deine Diplomarbeit an, wieso hast Du Geographie studiert?

Auf dem Bosporus in Istanbul Geographie gibt eine umfassende Analyse zu Lebensräumen, Lebensstrukturen und Lebensverhalten von Menschen. Es geht in vielen Studienfeldern auch um die Auswirkungen der Globalisierung. Ein Beispiel sind die wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Folgen von Investitionen im Ausland. Geographie lehrt einen, einen weiten Blick für verschiedene Facetten dieser Entwicklung zu haben und die Vorgänge zu Ende zu denken. Am spannendsten finde ich Humangeographie und physische Geographie – eine Synthese daraus lehrt viel über Klima und Umwelt.

  1. Stell Dir vor, Du hast einen Wunsch frei – wen würdest Du gerne mal treffen?

Ich greife jetzt mal nach den Sternen: ich würde gerne mal mit Nelson Mandela und dem derzeit mächtigsten Mann der Welt, mit Barack Obama, die Erde aus dem All betrachten. Gerade angesichts der derzeitigen Krisen muss doch bei so einem Blick auf die Erde klar werden, dass die Welt zusammenhalten muss, dass wir so ein wertvolles Erbe zu verwalten und zu erhalten haben, dass es sich lohnt, sich für eine friedliche Zukunft der Menschheit einzusetzen.

  1. Welche Vision hast Du für Berlin?

Kinder und Jugendliche, also die Zukunft der Berliner Stadtgesellschaft, müssen mehr an den Entscheidungen in den Kiezen und auf Landesebene beteiligt werden. Ansonsten wünsche ich mir für Berlin, dass es so vielfältig bleiben soll wie es ist. Es sollte aber noch toleranter werden, um diese Vielfalt auch zu leben.

  1. Und Deine Pläne?
Ich möchte es schaffen, als Politikerin immer selbstkritisch zu bleiben und, nach der Diplomarbeit, meine Spanisch- und Englischkenntnisse verbessern.

Zusätzliche Information

Clara Herrmann