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1. Warum machst du grüne Politik? – Was hat Dich politisiert?
Also, ich gehöre zur Kohl-muss-weg-Generation, die einen rot-grünen Wechsel nach 1998 wollte. Und das im bekanntlich stramm-konservativen Südwestberlin. Auch wegen der mangelnden Bildungsgerechtigkeit in meinem Umfeld. Die unterschiedlichen Elternhäusern waren in der Schule sehr spürbar - das hat teilweise zu tragischen persönlichen Ereignissen geführt. Ich hab dann Schülerzeitung und Schülervertretung gemacht. Da gab es Ältere, die sich für grüne Ziele engagiert haben - ich hab aber auch mal bei Jusos und Antifa reingeschaut. Die Grünen hatten aber immer ein breiteres politisches Angebot. Eigentlich konnten wir jungen Leute da immer machen, was wir wollten. Die politische Kultur war wunderbar vielfältig, aber eben nicht selbstzerstörerisch. Und klar, bei den Grünen steht Umwelt- und Naturschutz ganz oben. Das find ich gut.
2. Dein bester Tag als Abgeordneter?
Die "Freiheit statt Angst"-Demo auf dem Alexanderplatz! 30.000 Leute haben bei schönstem Wetter für Datenschutz protestiert - Ärzte, Journalisten, Hedonisten, junge Leute, Grüne, Linke, normale Leute. Da weiß man, dass man nicht alleine ist, wenn man sich politisch mal gegen die anderen Parteien stellt. Ein kleiner Erfolg war für mich auch die Auflösung der "GE Ident", einer Ermittlungsgruppe der Berliner Polizei. Die hatten in der letzten Zeit nur gegen Scheinlibanesen ermittelt, die keine Straftaten begangen haben und seit Jahren in Berlin waren.
Außerdem ist es für mich auch immer wieder ein guter Tag, wenn ich als Politiker dazu beitragen kann, eine Abschiebung zu verhindern.
3. Gibts auch schlimme Tage?
Ja, alle die jetzt kommen. Im März habe ich zweites Staatsexamen - und in der Zeit vorher muss ich so viel für die Examensvorbereitung tun, dass ich zu wenig Zeit für die Politik habe. Und schlimme Tage gibt es immer wieder, wenn ich mir angucke, wie langsam und schleppend Politik oft läuft.
4 . Welche politischen Projekte hast Du zur Zeit?
Ich setze mich gerade für eine individuelle Kennzeichnung von Polizisten ein. Die Polizei öffnet sich zwar, die Selbstreinigungskräfte funktionieren aber nur eingeschränkt. Ich will eine unabhängige Beschwerdestelle, die für die Polizei zuständig ist wie in Hamburg. Ich möchte bis Ende nächsten Jahres ein Konzept für die öffentliche Sicherheit aus grüner Sicht vorlegen. Mich nervt es, dass Grüne und Bürgerrechtler ständig als Sand im Getriebe angesehen werden. Außerdem fordere ich mehr Effektivität bei den Ermittlungsbehörden. Anstatt die Überwachung auszuweiten, sollen sie sich lieber auf die richtigen Schwerpunkte konzentrieren.
Außerdem engagiere ich mich für menschlichere Bedingungen in den Berliner Knästen. Churchill hat mal gesagt, "guck in die Knäste und du kennst den Zustand der Demokratie". Bei meinen Besuchen in der JVA Tegel sehe ich vor allem Frustration bei Angestellten und Häftlingen, den Wunsch nach Stolz und Würde, auch in der Haft und das starke Bedürfnis, eine zweite Chance zu erhalten - leider gleichzeitig mit der Erkenntnis, dass die Chance auf Resozialisierung zur Zeit so gut wie gar nicht existiert..
Weiterhin ist mir eine großzügige Umsetzung der Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge wichtig. Und beim Datenschutz steht die Novellierung des Bundesdatenschutzgesetzes an - in Berlin fordern wir einen starken behördlichen Datenschützer.
5. Mit wem würdest Du gerne mal ausgehen und warum?
Ich würde gerne mal mit Alice Schwarzer in den Spiegelsaal von Clärchens Ballhaus in Mitte gehen und mit ihr über die Rolle von Männern und männlichen Politikern in der Genderpolitik und konkret in der emanzipierten Gesellschaft reden.

6. Welches Buch liest Du gerade?
(ohne zu zögern:) Zivilprozessrecht für Referendare und "Empire – die neue Weltordnung" von Negri und Hardt. Zur Entspannung lese ich gerne Comics, Calvin und Hobbes da geht nichts drüber! Sie zeigen einem immer wieder, warum man Anarchist sein sollte, und stellen die Welt so schön in Frage.
.... Hast Du eine Comic-Empfehlung als Weihnachtsgeschenk?
"Maus", von Art Spiegelman - aber vielleicht nicht unbedingt zu Weihnachten...
7. Du hast Jura studiert – warum diese Wahl und welchen Beruf möchtest Du damit ergreifen und warum?
Für mich ist Gerechtigkeit erstrebenswert - auch und gerade im Alltag und täglichen Klein-Klein einer demokratischen Gesellschaft. Linksalternativ überzeugte Leute sollten nicht nur Politologie oder Kulturwissenschaften studieren. Jura ist auch ein gutes Handwerk für politische Ziele.
Nach meinem Examen möchte ich als Strafverteidiger arbeiten - ich bin jemand, der Partei ergreift und dann dafür kämpft. Ich würde jeden verteidigen - der rechtsstaatliche Anspruch ist für mich sehr wichtig, gerade auch für Leute, die schwere Straftaten begangen haben.
8. Deine Lieblingsorte in Berlin?
Ich mag Orte, wo man Geschichte spürt, zum Beispiel das Scheunenviertel in Mitte. Die Gegend dort hat mich immer schon fasziniert, bereits als Jugendlicher Mitte der 90er-Jahre. Da war dort auch noch richtig was los. Und ich mag die Krumme Lanke und den Schlachtensee – im Sommer und im Winter. Meine Lieblingskneipe ist das Schmittz in der Torstraße. Nach Feierabend lese ich da gern bei einem gespritzten Bierchen die Taz und den Tagesspiegel vom nächsten Tag.
9. Welche Vision hast Du, wenn Du an Berlin in zehn Jahren denkst?
Berlin soll eine Stadt sein, wo sich alle eine Perspektive aufbauen und zu Hause fühlen können - Leute mit und ohne deutschem Pass oder Aufenthaltsstatus, Obdachlose, arme Leute, Häftlinge, Flüchtlinge. Und Berlin sollte weiterhin Vorbild für modernes Leben in Europa bleiben. Das aber bitte mit mehr Klima- und Umweltschutz...
10. Welchen Traum willst Du Dir noch erfüllen?
Ich will unbedingt bald wieder nach Südkorea, in das Land meiner Mutter, reisen. Das letzte Mal war ich 1992 da. Ich würde gerne mehr über meine Wurzeln erfahren, über das Land, die Sprache, die Kultur. Russland und China interessieren mich auch sehr – diese Länder verändern sich gewaltig, und ich war erst ein Mal in der unglaublichen Stadt Moskau. Gerne würde ich mal eine Tour durch deutsche Kleinstädte und Dörfer mit Bahn und Rad machen – sozusagen auf der Suche nach der "deutschen Seele". Vielleicht, wenn ich Rentner bin. Vorher will ich noch mal was anderes lernen oder studieren – Naturwissenschaften oder Medizin. Aber auch in der Politik gibt es Träume, die verrat ich aber erst, wenn der Weg zur Erfüllung nicht mehr unrealistisch ist.
