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Was gefällt dir an deinem Leben als Kulturpolitikerin in Berlin?
Dass Kulturpolitik nicht nur Politik, sondern auch Kultur ist. Es ist die Begegnung mit interessanten Menschen - ich mag den Dialog vor allem mit jungen KünstlerInnen sehr! Ein wenig versuche ich auch vernetzend in die Kulturszene zu wirken: In meinen Kultursalon haben zum Beispiel der Chef des Staatsballets und Tänzer Wladimir Malakhov und die Choreographin Sasha Waltz gemeinsame künstlerische Projekte vereinbart !
.... und was magst du überhaupt nicht?
Kulturpolitische Entscheidungen von oben herab, und: dass immer zuwenig Geld da ist! Immerhin geht es nur um 2 % des Gesamtetats – und das bei der großen Bedeutung der Kultur für Berlin!
Ach, sicher im Kultur- und Medienmanagement, oder wie jetzt auch Dozentin für Kultur- und Medienmanagement an der FU Berlin.

Warum machst du grüne Politik?
Ich bin vor fast 30 Jahren bewusst zu den Grünen gegangen, weil das für mich die Partei ist, die sich am meisten um die Zukunft sorgt und dabei auch eine verantwortungsbewusste, aktive Erinnerungsarbeit für die deutsche Geschichte macht. Außerdem bin ich überzeugte Atomgegnerin, auch aus ganz persönlichen Gründen: ich bin 1986 Mutter geworden – zwei Monate, nachdem die Tschernobyl-Katastrophe passiert ist.
Der Tag, als die rot-grüne Übergangsregierung in 2001 begonnen hat und ich erfahren habe, dass ich als grüne Staatssekretärin für Kultur zukünftig mitentscheiden und mitgestalten kann!
... und der schlimmste Tag?
Der aufregendste und zugleich schlimmste Tag war für mich der 11. September 2001. Es wurde eine Sicherheits-Sondersitzung des Senats einberufen und darüber diskutiert, was dieser Terroranschlag für Berlin und die Sicherheitspolitik bedeutet.
Ein komplizierter, aber faszinierender Ort: Der Invalidenfriedhof in Mitte. Da wird sowohl das fatale wie auch das positive aus der deutschen Geschichte wie in einem Brennglas fokussiert: Dort liegen in von Schinkel und Schlüter gestalteten Gräbern preußische Generäle neben NS-Schergen wie Heydrich oder Widerstandsleuten wie Wilhelm Staehle oder der Fliegerin Marga von Etzdorf, die sich 1933 das Leben genommen hat. Der Friedhof ist ein Ort, der von der Mauer zerschnitten war. An dieser Stelle versuchten Menschen über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal zu fliehen und wurden erschossen.
Geht mit Euren Gästen in den Friedrichstadtpalast! Weil das Land für das Haus einen Millionen-Kredit gegeben hat und weil hier ein Hauch Las Vegas weht, in dem sich großartige Artistik und Revue mischen!
Was würde besser laufen, wenn Du in Berlin Kultursenatorin wärst?

Wir hätten eine gute, direkte Kommunikation mit der Kulturszene. Vor allem die freie Szene würde nicht nur als Sparschwein missbraucht, sondern aktiv gefördert! Ich würde einen engagierten Kampf um die Etats führen und für klare Zielvorgaben mit den IntendantInnen der Kulturinstitutionen streiten.
Mit wem würdest Du gerne mal in ins Museum gehen?
(antwortet sehr entschieden): Mit Klaus Wowereit in die Berlinische Galerie! Und mich danach in einer Kreuzberger Kneipe ernsthaft mit ihm über die Bedeutung moderner Kunst unterhalten und warum wir für zeitgenössische Kunst einen Ort in Kreuzberg brauchen!
Günther von Lojewski (ehemaliger SFB-Intendant ) hat im September bei Deiner Veranstaltung "Radio Multikulti retten" über Dich gesagt: Ohne Alice Ströver würde es den Sender nicht geben! Was liegt Dir an der Welle so am Herzen?
(ohne zu zögern:) Radio Multikulti
ist gelebte Vielfalt in Berlin! Ich bin auch ein bisschen stolz auf meine Initiative 1993 im Rundfunkrat, die das Programm angestoßen hat... Richtig sauer bin ich auf die Intendantin Frau Reim, die den Sender kaputtspart, weil sie dieses enorme Integrationspotential nicht sieht, das in Radio Multikulti steckt!
Was sind Deine Wünsche für Dich und für Berlin?
Für mich persönlich: endlich mehr Zeit und Ruhe zu haben, und mit meinem Mann unsere Tochter in Spanien besuchen, wo sie zur Zeit studiert. Und für Berlin: dass wir die Hauptstadt der Kreativen sind, die hier gut arbeiten und Geld verdienen können oder, ganz kurz: Dass Berlin die "Stadt des Guten Lebens" ist!
Die Fragen stellte Silke Schendel.