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Bericht vom Werkstattgespräch: Olympische & Paralympische Sommerspiele in Berlin – ja, nein, vielleicht?

Am Freitag, 25. Juli 2014, fand im Berliner Abgeordnetenhaus auf Einladung der Grünen-Fraktion ein Werkstattgespräch zum Thema „Olympische & Paralympische Sommerspiele in Berlin – ja, nein, vielleicht?“ statt. Begrüßt und moderiert von Ramona Pop, diskutierten Isko Steffan (Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen beim Landessportbund, Vizepräsident Rehasport beim Behinderten-Sportverband Berlin), Tilmann Heuser (Landesgeschäftsführer BUND Berlin e.V.), Katharina Schulze (grüne MdL Bayern, sportpolitische Sprecherin und NOlympia-Kampagne München), Frederik Bombosch (Redakteur für Landespolitik bei der Berliner Zeitung) mit Anja Schillhaneck (MdA, Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin und Mitglied im Sportausschuss).

Die grüne Fraktion befindet sich im Prozeß der MEINUNGSBILDUNG. Wir sagen weder aus dem Bauch heraus „Berlin will Olympia“, noch dass wir von vorneherein dagegen sind. Wir wollten mit möglichst vielen verschiedenen Akteuren die pro- und contra-Argumente frühzeitig diskutieren, nicht erst im Dezember, wenn der DOSB sich entscheidet. Hier sollen die zahlreichen Punkten der Diskussion zusammengefasst werden.

BÜRGERBETEILIGUNG bedeutet nicht nur Volksentscheid

Es besteht seitens der grünen Fraktion kein Zweifel daran, dass, wenn wir in Berlin Olympia wollten, wir das auch könnten! Dafür muss jedoch eine offene Diskussion der Bewerbung in der Stadt stattfinden und es bedeutet auch, dass man sich andere Partner holt, wie z.B. das Land Brandenburg. Der Diskussionsbedarf ist sehr hoch, dies hat die starke Beteiligung an unserem Werkstattgespräch gezeigt. Bürgerbeteiligung bedeutet viel mehr als nur ein Volksentscheid (der übrigens unbedingt neutral formuliert werden sollte): Wir brauchen eine gemeinsame Gestaltung der Spiele. Wir wollen die sportpolitische Debatte dieser Stadt beleben und die Sportpolitik gemeinsam gestalten – sei es in Sachen Olympia, Schwimmunterricht oder Sportinfrastruktur.

Problem KOSTEN

Eine Olympiabewerbung kostet viel. Zum Beispiel hat die Bewerbung von München 33 Mio. € gekostet. Dabei wurde gesagt, dass Sponsoren diese Kosten übernehmen. Aber bisher ist keine Auflistung der Kostenverteilung über den Schreibtisch der Landesabgeordneten gegangen.
 Darüber hinaus besteht ein grundsätzliches Problem im Vertrag des IOC: Wenn zusätzliche Kosten durch mehr Sicherheitsmaßnahmen oder neue Regelungen seitens des IOC auf die organisierende Stadt zukommen, muss sie diese komplett tragen. Angesichts dessen, dass das IOC in Deutschland keine Steuerzahlungen leistet, unverständlich.

Lösung WACHSTUM?

„Mit Olympia geht alles besser!“ behaupten AnhängerInnen der Olympiabewerbung Berlins. Ob hohe Mieten oder Unpünktlichkeit der S-Bahn: Olympia wird gerne als Motor zur Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt gepriesen. Jedoch lohnt es sich, einen kritischen Blick auf diese Maßnahmen zu werfen. Denn unter der Olympia-Ausrede können lange umstrittene Projekte plötzlich als notwendige Bedingung für die olympischen und paralympischen Spiele gesehen werden – ohne die Meinung der direkt Betroffenen noch länger zu beachten.

WERT DES SPORTS – Demokratie vs. Diktatur

Der Sport hat aber auch eine sehr wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Er vermittelt Werte – Solidarität, Vertrauen, Gemeinsamkeit – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Dazu trägt der Grundgedanke der olympischen und paralympischen Spiele viel bei. London geht mit gutem Beispiel voran. Die paralympischen Spiele wurden dort erstmals zu einem wirklichen Bürgerfest mit einer unglaublichen Stimmung, wie auch Isko Steffan anschaulich berichten konnte.


Oft heißt es, Berlin sei die größte Stadt des größten Landes in der EU und solle sich deshalb bewerben, auch um zu verhindern, dass Spiele in diktatorischen Regimen staffänden. Dieses Argument greift zu kurz, solange sich das IOC nicht zu Reformen bereit erklärt und zu einer ursprünglicheren Idee des Sports zurückkkehrt. Vielleicht stellen IOC und FIFA bald fest, dass ihre Vorstellungen von großen Sportereignissen nur noch für Diktaturen interessant sind und ihnen gleichzeitig die Sponsoren ausgehen, weil die Öffentlichkeit das Ganze kritisch sieht.

Ist das iOC reformfähig?

Es ist für uns schwer einzuschätzen, ob es im IOC Reformen gibt. Was aber nicht passieren darf, ist, dass ein reformunwilliges IOC sich hinstellt und behauptet, es sei gezwungen, olympische und paralympische Spiele in Diktaturen stattfinden zu lassen, weil sich keine Demokratien mehr bewerben würden. Für die Olympia-GegnerInnen liegt es klar auf der Hand, dass das IOC nicht reformierbar ist.

Problem ZEITPLAN

Es gibt zwei Probleme, die mit der Zeitplanung zusammenhängen. Erstens findet 2024 möglicherweise die Europameisterschaft in Berlin statt. Zweitens entscheidet der DOSB erst am 6. Dezember 2014, für welches Jahr (2024 oder 2028) sich Deutschland und mit welcher Stadt es sich bewirbt - das ist genau ein Tag vor der angekündigten Äußerung des IOC am 7. Dezember, ob und wann Reformpläne umgesetzt werden.

UND NUN? Olympische Spiele in Berlin? Oder doch nicht? Wie würden sie aussehen?

Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit scheinen Konsens zu sein – die Frage ist jedoch, was man genau darunter versteht. Eines steht sicherlich fest: Berlin ist die einzige Stadt weltweit, die sich olympische Spiele nach althergebrachter Art nicht leisten kann. Niemand möchte in Berlin an die Olympischen Spiele von 1936 erinnert werden.
Das Hauptkriterium für Berlin sollte sein: Nur wenn sich Olympia ökologisch, städtebaulich, sozial und kommerziell für Berlin rechnet, dann ja!

 

Weitere Beteiligte

Ramona Pop
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