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Auf einen Kaffee mit... Harald Moritz

Harald Moritz, verkehrspolitischer Sprecher, über Reifenwechsel, Untergrund-Zeitschriften und sein Kampf gegen die A100

 

Du bist ausgebildeter KFZ-Mechaniker. Kann man heute überhaupt noch an neuen Autos privat  schrauben bei all der Technik?

Eher nicht. Autos besitzen heute  viel Elektronik, wobei die Elektronik die verschiedenen Baugruppen vernetzt und dadurch viele Arbeiten ohne spezielle Diagnosegeräte nicht mehr möglich sind. Das hat auch viel mit Emissionsschutz zu tun. Ohne Motorsteuerung eines Computers könnten die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Aber natürlich gibt es auch unnötiges elektronisches Entertainment-Zubehör. Viele Autofahrer sind damit auch überfordert und es stört auch vereinzelt. Ich will mich da gar nicht ausschließen. Es gibt aber nach wie vor viele mechanische Vorgänge, die jeder selbst durchführen könnte. Am Reifenwechseln hat sich meistens nichts großartig verändert. Bei Autos mit automatischer Luftdrucküberwachung ist aber selbst das nicht mehr für Normalfahrer möglich.


Wie kommt man vom Reparieren von Autos ins Abgeordnetenhaus?

Spätestens nach meiner Zeit als Bausoldat 1985 habe ich mich verschiedenen kirchlichen und politischen Gruppen angeschlossen. In Oberschöneweide war ich in einer Gruppe, die durch kulturelle Beiträge aufrütteln wollte. In meiner Kirchengemeinde in Alt-Treptow habe ich sonntags an einem Bücherstand Untergrund- und Nicht-Untergrund-Zeitschriften verkauft. Wir hatten dort auch einen Gesprächskreis, in dem hauptsächlich DDR-Ausreisewillige aktiv waren. In den 90ern wurde ich Bezirksverordneter in Treptow und nach 2000 war ich im Bezirksvorstand der Bündnisgrünen. Aufgrund meines Engagements gegen die A100 Erweiterung habe ich mir dann über den Bezirk hinaus einen Namen gemacht, was mir sicherlich auch bei dem Einzug in das Abgeordnetenhaus hilfreich war.


Was war dein größter politischer Erfolg?

Erfolge als Oppositionspartei sind immer schwierig einzuordnen. In meiner Zeit als Bezirkspolitiker war ich daran beteiligt, dass am Bahnhof Schöneweide die Straßenbahn nun eine eigene Unterführung bekommen wird. In der Opposition  ist unsere Möglichkeit vor allem, auf Probleme Aufmerksam zu machen und das Handeln der Regierung so zu kontrollieren. Einen späten Erfolg kann ich mir mit der Milieuschutzsatzung in Alt-Treptow mit auf die Fahne schreiben, die vermutlich umgesetzt wird. Da bin ich seit Ende der 90er Jahre dran gewesen. Da das Thema in Alt-Treptow gerade wieder brisant ist, habe ich an einem Einwohnerantrag mitgewirkt. Die Bezirksverordnetenversammlung hat das Thema nun wieder aufgenommen.


Du bist in der Bürgerinitiative Stadtring Süd (BISS) aktiv, die gegen die Verlängerung der Stadtautobahn A100 kämpft. Was ist dort deine Rolle und was konntet ihr erreichen?

Die BISS hat gerade nicht ihre aktivste Phase. Seit 1978 bis jetzt hat sich die Initiative von Tempelhof östlich weitergearbeitet. Es gab Hochs und Tiefs. Die Verlängerung der Autobahn in Tempelhof konnte lange verhindert werden. Ich bin seit Anfang der 90er dabei. Ich konnte in meiner Zeit auf viele Missstände hinweisen und habe dafür gesorgt, dass nicht erst Wahrnehmung stattfindet, wenn die ersten Bagger ihre Arbeit aufnehmen. Beim jetzigen Bauabschnitt haben wir den Ausbau um Jahre verzögern können. Unser Hauptziel, den Planfeststellungsbeschluss zu verhindern, haben wir leider nicht erreicht. Zusammen mit dem BUND und anderen Klägern haben aber den sogenannten „Flüsterasphalt“ als Verpflichtung durchgesetzt. Zudem haben wir in der Beermannstraße zwei Wohngrundstücke vor dem Abriss bewahrt. Für andere Grundstücke haben wir Umplanungen erreicht. Durch die Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht ist erstmals dem BUND das Recht gegen Lärm- und Luftverschmutzung zu klagen bestätigt worden. Leider ist der vereinte Widerstand auch gegen den nächsten Bauabschnitt nötig, da der rot-schwarz Senat die A100 noch bis zur Frankfurter Allee und Storkower Straße plant.


Das Interview führte Marc Siepe.